Mein Leben als Musiker – Teil 113 – Lockdown und Restart
24.08.2021 | | Keine Kommentare

Irgendwann im November 2020 war uns klar: Lasst uns jede Probe genießen, es kann erst einmal wieder die letzte sein. So kam es dann auch – zweiter Lockdown und das in einer Zeit, wo wir viele Auftritte hätten: Kein „Musik unterm Weihnachtsbaum“. Kein Silvesterspielen. Keine Prunksitzungen an Fasching.

Dann kam aber der 21.05 2021. Nicht nur wegen der mathematischen Symmetrie ein Tag, der uns Musikern im Gedächtnis bleiben wird. Getreu dem Motto, das Schwierige an den harten vierwöchigen Lockdowns sind die ersten drei Monate, konnten wir nach über sieben Monaten wieder zusammen Musik machen. Die erste Probe war auch gleich der erste Härtetest für viele Musiker, musste doch zunächst geklärt werden, wo denn das Instrument gerade überhaupt liegt. Manche waren auch sehr erstaunt, dass eine wöchentliche Teilnahme am Zoom-Stammtisch nicht dazu beigetragen hat, den musikalischen Ansatz zu erhalten oder gar auszubauen. Nein, ganz so schlimm war es auch nicht. Im Gegenteil, die Probebeteiligung war hoch, die Motivation ebenfalls und unser gelernter Instrumentenbauer musste auch nirgendwo eingreifen, alle Ventile funktionierten und zur Vorbereitung wurden von vielen Musikern sogar die Mundstücke durchgeputzt. Und nach den ersten Stücken? Alles wie immer, sogar die Fehler waren die gleichen wie sieben Monate zuvor.

Jetzt sind schon ein paar Wochen vergangen und einige Proben liegen hinter uns. Wir haben gemerkt, dass Proben unter Coronabedingungen ganz eigenen Gesetzen folgen: Nur das Instrument mitbringen und dann beim Nachbar in die Noten schauen. Nein, das ist zu einfach: Wäscheklammern und Jacke (wir spielen schließlich im Freien) gehören zur Corona-Grundausstattung, genau so wie ein eigener Klappstuhl (Schmierinfektion vermeiden!) oder ein Eierbecher (Auffangen des Kondensats).

Egal, wir freuen uns, dass wir wieder proben können. Dass wir sogar gerne gehört und vielleicht sogar etwas vermisst wurden bei unseren Eußenheimern, hat uns ein Standkonzert gezeigt. Außerdem werden unserer Outdoor-Proben ja auch klaglos akzeptiert und bei dem ein oder anderen sicherlich auch genossen.

Zum Schluss ein Lob an uns:

Wenn manche Vereine über ein „Ich-weiß-nicht-ob-ich-nach-Corona-nochmal-anfange“ klagen, kann ich das bei uns nicht erkennen. Jeder kommt gerne mit viel Lust und Motivation am Donnerstag zur Probe, man freut sich auf die Musik aber vielleicht noch mehr auf seine Mitmusiker. Im Lockdown hat man doch sehr gemerkt, wie sehr man beides vermisst!

Schließen werde ich mit den Worten eines bekannten (und beliebten) US-Präsidenten:

Ich bin ein Eußenheimer!